Kann Milch Akne verursachen?

Über den (möglichen) Zusammenhang zwischen Milch und Akne habe ich im Artikel Gibt es einen Zusammenhang zwischen Ernährung und Akne? bereits etwas geschrieben. Trotzdem will ich hier auf das Thema noch einmal gesondert und etwas ausführlicher eingehen und versuchen, die Frage zu beantworten, ob Milch Akne verursachen oder verschlimmern kann.

Denn wohl kaum ein anderes Lebensmittel wird so sehr mit Akne und Pickeln in Verbindung gebracht wie Milch oder Milchprodukte im Allgemeinen. Es gibt zahlreiche Erfahrungsberichte von Aknepatienten, die berichten, dass Milchprodukte ihre Akne verschlechtern. Man könnte das Thema an dieser Stelle also eigentlich schon abhaken. Da das Thema aber trotzdem kontrovers diskutiert wird, lohnt es sich, etwas genauer hinzuschauen. Denn hier ist einiges an Kontext zu beachten und man kann nie eine Aussage treffen, die für jede Person gilt.

Was sagt die Studienlage zu Milch und Akne?

Bevor wir uns anschauen, woran dieser Zusammenhang zwischen Milch und Akne liegen könnte, schauen wir uns erst einmal an, ob es laut Studien diesen Zusammenhang überhaupt gibt.

Fairerweise muss zunächst einmal dazu gesagt werden, dass ein Zusammenhang (oder eine Korrelation) zwischen zwei Dingen (in unserem Falle Akne und Milchprodukte) noch keine Aussage über eine Ursache/Wirkung-Beziehung trifft. Das heißt, nur weil zwei Dinge zusammen vorkommen, bedeutet das nicht, dass eines der beiden das andere verursacht. Allerdings ist ein solcher Zusammenhang wichtig, damit man sich das Thema genauer anschauen kann.

Nehmen wir als Beispiel einfach mal das Thema Rauchen und Lungenkrebs. Dass Rauchen Lungenkrebs verursacht, gilt heute als ziemlich gesichert. Noch in der 50er-Jahren des vergangenen Jahrhunderts war das aber anders. Damals gab es selbst Ärzte, die Rauchen als positiv beurteilten.

Dass wir heute mehr über die Schädlichkeit des Rauchens wissen, liegt daran, dass irgendwann einmal der Zusammenhang aufgefallen ist. Irgendjemand hat also bemerkt, dass Raucher häufiger an Lungenkrebs erkranken. Erst danach konnte man das Thema genauer untersuchen.

Einzelne Studien können natürlich immer fehlerhaft sein oder es kann Kontext fehlen (oder die Stichprobe ist einfach sehr klein). Daher ist es sinnvoll, sich für den Zusammenhang zwischen zwei Dingen sogenannte Metaanalysen anzuschauen. Eine Metaanalyse ist keine Studie im eigentlichen Sinne, sondern es werden verschiedene bereits durchgeführte Studien zusammengetragen und statistisch ausgewertet. Durch die Menge an Daten fällt es so einfacher, eine Aussage zu treffen.

Zum Thema Milch und Akne gibt es mehrere solcher Metaanalysen [1][2][3]. Sie kommen alle zu dem Schluss, dass es eine positive Korrelation zwischen Akne und dem Konsum von Milchprodukten gibt. Das heißt: Je mehr Milchprodukte, desto mehr Akne.

Laktosefreie Milch und Akne

Die Laktose (Milchzucker) ist ein möglicher Kandidat, wenn es darum geht, warum Milch Akne verursachen oder verschlimmern könnte. Allerdings ist es relativ einfach, diese Hypothese für sich selbst auszuprobieren.

In vielen Geschäften gibt es heute laktosefreie Milch. Das ist im Prinzip normale Milch, der Lactase zugesetzt wurde. Lactase ist ein Verdauungsenzym, welches Lactose verdaut und in ihre Bestandteile Glucose und Galactose aufspaltet. Menschen, die Lactose nicht richtig verdauen können, produzieren keine ausreichenden Mengen dieses Enzyms. Fügt man aber der Milch Lactase zu, wird der Milchzucker sozusagen vorverdaut und in Glucose und Galactose aufgespalten, bevor wir die Milch zu uns nehmen. Das ist auch der Grund, warum laktosefreie Milch oft süßer schmeckt als normale Milch. Es wird kein Zucker hinzugesetzt, wie von manchen Menschen vermutet, sondern die Glucose ist einfach süßer.

Menschen mit Laktoseintoleranz können also laktosefreie Milch trinken, ohne Verdauungsprobleme zu bekommen. Ob nun die Laktose im Einzelfall auch die Haut verschlechtert, kann nun einfach getestet werden. Man ersetzt einfach normale Milch mit laktosefreier Milch und schaut, wie sich die Haut entwickelt (am besten über mehrere Wochen). Sollte sich der Hautzustand verbessern oder die Pickel sogar ganz verschwinden, ist das ein Hinweis darauf, dass die Laktose die Ursache war. Sollte auch laktosefreie Milch Pickel verursachen, kann ausgeschlossen werden, dass die Laktose der Auslöser ist.

Käse oder Joghurt als Alternativen

Übrigens enthält auch Käse keine oder nur geringe Mengen an Laktose. Das liegt zum einen daran, dass die Molke bei der Käsezubereitung abgetrennt und zum anderen die restliche Laktose im Reifeprozess abgebaut wird. Grundsätzlich könnte man sagen: Je länger die Reifezeit, desto weniger Laktose ist noch vorhanden (wenn überhaupt). Also kann man auch zeitweise Milch durch gereiften Käse ersetzen, um die Laktose-Hypothese zu prüfen.

Die Laktose wird auch im Zuge der Zubereitung von Joghurt natürlich abgebaut. Je länger der Fermentationsprozess dauert, desto weniger Laktose bleibt übrig. Als Daumenregel können wir sagen: je säuerlicher der Joghurt schmeckt, desto weniger Milchzucker ist noch vorhanden. Joghurts aus dem Supermarkt haben aber in der Regel eine ziemlich kurze Reifezeit.

A1-Milch vs. A2-Milch

Auch bei diesem Thema gibt es erhitzte Diskussionen. Manche Menschen schwören auf einen Unterschied. Andere glauben, dass das eher Hokuspokus ist und die Art des Proteins keine Rolle spielt.

Zunächst einmal sollte ich aber erklären, worum es hier eigentlich geht. Genauer gesagt geht es um Casein. Dieses Casein ist ein Protein in der Milch und es gibt mehrere Varianten davon. Die Molke enthält kein Casein. Daher enthalten der oben beschriebene Käse oder Quark hohe Mengen davon.

Kleiner Unterschied, große Wirkung?

Von außen betrachtet ist der Unterschied zwischen A1- und A2-Milch wirklich winzig. Ich will hier nicht mit allzu vielen technischen Details nerven, daher das Wichtigste so kurz wie möglich: Wie oben bereits erwähnt, gibt es verschiedene Varianten von Casein. Darunter fällt auch β-Casein (Beta-Casein). Dieses Protein setzt sich wie andere Proteine auch aus einer ganzen Reihe verschiedener Aminosäuren zusammen, die eine Kette bilden. Aminosäuren bilden die Grundbausteine von Proteinen.

Casein ist nun eine Kette von 209 solcher Aminosäuren. Man kann sie sich wirklich aufgereiht wie in einer Kette vorstellen. A1- und A2-Casein sind in jedem Glied dieser Kette gleich, außer an einem. An der 67. Stelle steht bei A1-Casein die Aminosäure Histidin, während es bei A2-Casein Prolin ist. Eigentlich also eine sehr geringer Unterschied. Und trotzdem hat dieser Unterschied eine Wirkung, den einige Menschen (zu denen ich selbst auch gehöre) bemerken.

Ob wir nun A1- oder A2-Milch trinken, hängt davon ab, welches Tier diese Milch gibt. Der Großteil aller Milchkühe in Europäischen Ländern gibt A1-Milch. Eine Ausnahme bildet unter anderem die Rasse Guernsey, die A2-Milch gibt. Aber auch Milch von Ziegen, Schafen oder Büffeln ist größtenteils A2-Milch. Dieser ist einfacher zu finden als A2-Kuhmilch. Mehr dazu im nächsten Abschnitt.

Die Forschung steckt bei diesem Thema noch in den Kindesbeinen. Soweit mir bekannt ist, wurde noch nicht untersucht, ob sich A2-Casein anders auf Akne (und andere Hauterkrankungen) auswirkt als A1-Casein. Es wäre interessant, dies in Zukunft genauer zu untersuchen. Ein Beispiel wären drei Versuchsgruppen, von denen eine A1-Milchprodukte konsumiert, eine A2-Milchprodukte und eine gänzlich auf Milchprodukte verzichtet oder diese stark reduziert.

Wo findet man A2-Milch?

Es gibt auch in Deutschland A2-Kuhmilch. Diese findet man, wenn man im Internet nach „Wohlfühlmilch“ sucht. Aber auch Ziegen-, Schaf- oder Büffelmilch enthalten größtenteils A2-Casein. In Niederländischen Supermärkten findet man A2-Milch häufiger. Die Kuhmilch in Deutschen Supermärkten ist immer A1-Milch, es sei denn, es handelt sich um die erwähnte „Wohlfühlmilch“.

Auch hier gilt das, was ich oben zum Thema Laktose bereits geschrieben habe: Probieren geht über Studieren! Wer Kuhmilchprodukte für einige Wochen durch Produkte aus Ziegen- oder Schafsmilch ersetzt (oder eine A2-Kuhmilch erhalten kann), wird dann sehen, ob die Akne sich verbessert. Sollte das der Fall sein, könnte es tatsächlich an der Art des Caseins liegen.

Meine eigene Erfahrung mit Akne und Milch

Ich selbst habe einmal eine Zeit lang ganz auf Milch verzichtet (mit etwa 18 Jahren), bin dann aber auf Produkte aus Ziegen-, Schaf- oder Büffelmilch gewechselt. Dazu zählen Ziegenkäse oder Büffelmozzarella, die ich regelmäßig konsumiere.

Seitdem habe ich gemerkt, dass diese Produkte keinen Einfluss mehr auf meine Akne haben, was bei A1-Kuhmilch anders war. Fairerweise muss ich natürlich dazu sagen, dass ich zu diesem Zeitpunkt schon älter und nicht mehr in der Pubertät war. In dieser Zeit klingt Akne häufig, aber nicht immer, von alleine wieder ab. Ich kann es also nicht nur auf eine Ernährungsumstellung schieben. Trotzdem kann ich auch heute bei der falschen Ernährung noch Akne z.B. am Rücken bekommen.

Weitere interessante Punkte zum Thema Milch

Ich könnte hier auch noch auf IGF-1 und mTORC1 eingehen. Beide sind mit der Entstehung von Akne und auch Milchkonsum verbunden. Allerdings habe ich diese Faktoren bereits im in der Einleitung verlinkten Artikel „Gibt es einen Zusammenhang zwischen Ernährung und Akne?“ beschrieben und würde mich hier nur wiederholen.

Beziehung zwischen IGF-1 und Akne

Es gibt aber auch noch andere Unterschiede bei der Milch, die wir trinken. Zum einen gibt es Rohmilch auf der einen und pasteurisierte und homogenisierte Milch auf der anderen Seite. Auch kann es einen Unterschied machen, ob man Vollmilch oder fettreduzierte Milch kauft. Es gibt ein paar Studien, die größere Probleme bei fettreduzierte Milch fanden, während bei anderen kein Unterschied festgestellt wurde. Auch bei diesem Thema gilt also: Probieren geht über studieren.

Fazit

Die viele Erfahrungsberichte, auch meine eigene Erfahrung und die bisherigen Studien zu diesem Thema lassen mich zu dem Schluss kommen, dass Milch Akne verschlimmern kann (aber nicht muss). Ein Zusammenhang ist definitiv feststellbar.

Allerdings ist Milch nicht gleich Milch und es gibt einige Unterschiede. Mit der A1- vs. A2-Milch-Debatte habe ich einen wichtigen davon beschrieben. Daher bin ich nicht bereit, Milch generell als schlechtes Lebensmittel einzustufen, wie es beispielsweise in der Paleoszene teilweise geschieht. Es kommt immer auf den Kontext an. Prinzipiell halte ich Milchprodukte für gute Lebensmittel und esse sie auch selbst täglich. Wie weiter oben beschrieben, sind es heutzutage aber keine Kuhmilchprodukte mehr.

Letztendlich ist es aber von Person zu Person unterschiedlich. Wer vermutet, dass Milchprodukte bei sich selbst die Akne verschlimmert, kann etwas experimentieren. Hier gibt es einige Kombination: normale oder laktosefreie Milch, A1-Milch oder A2-Milch, Vollmilch oder fettreduziert oder (wenn man Zugang dazu hat) Rohmilch oder Supermarktmilch (pasteurisiert und homogenisiert).

Kann also Milch Akne verursachen? Ja, aber…

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