Das Thema Akne und Ernährung wird noch immer kontrovers diskutiert. Wobei es heute weniger Menschen gibt, die einen Zusammenhang bestreiten, als das noch vor 20 Jahren der Fall war. Die Frage ist, welche Ernährung für Akne gut geeignet ist. Seit einiger Zeit gibt es Hinweise darauf, dass Akne und der glykämische Index bzw. die glykämische Last zusammenhängen.

Genauer gesagt geht es darum, ob Lebensmittel mit einem hohen glykämischen Index Akne verschlechtern können und ob sich das Hautbild bei einer Ernährung mit niedrigem glykämischen Index verbessern kann. Wir werden beiden Fragen in diesem Artikel nachgehen. Zuerst beschäftigen wir uns aber mit der Frage, was der Unterschied zwischen glykämischer Last und glykämischen Index ist.
Was ist der Unterschied zwischen dem glykämischen Index und der glykämischen Last?
Die glykämische Last ist eine Weiterentwicklung des glykämischen Index. Beide untersuchen den Anstieg des Blutzuckers nach dem Verzehr kohlenhydratreicher Nahrung. Wir beginnen mit dem glykämischen Index.
Der glykämische Index (GI) misst, wie stark und wie schnell der Blutzuckerspiegel nach dem Verzehr von Kohlenhydraten ansteigt. Als Referenz wird hierfür pure Glucose (Traubenzucker) genommen, da diese nicht weiter verdaut werden muss und sozusagen direkt ins Blut gelangt. Traubenzucker hat einen GI von 100. Grob gesagt gilt: Je höher der glykämische Index, desto stärker und schneller der Blutzuckeranstieg.
Diese Methode hat allerdings einen Nachteil. Es werden gleiche Mengen an Kohlenhydraten verglichen, unabhängig davon, wie viele Kohlenhydrate das Lebensmittel insgesamt pro 100g enthält (Kohlenhydratdichte). So wird beim GI beispielsweise die Wirkung von 100g Kohlenhydraten aus Paprika und 100g Kohlenhydraten aus Cola verglichen.
Allerdings sind Paprika und Cola natürlich nicht dasselbe. Die Cola enthält auf 100g deutlich mehr Zucker als die Paprika. Wenn wir also einfach den Verzehr von 100g Kohlenhydraten vergleichen, kann hier ein verzerrtes Bild entstehen. Um mit Paprika auf die gleiche Menge an Kohlenhydraten wie mit einer Flasche Cola zu kommen, müsste ich enorme Mengen davon essen.
Hier kommt die glykämische Last (GL) ins Spiel. Die glykämische Last berücksichtigt die Kohlenhydratdichte verschiedener Lebensmittel. Wenn wir auf diese Weise die Wirkung von beispielsweise 100g Paprika und 100g Cola vergleichen, fällt der Blutzuckeranstieg bei der Paprika deutlich geringer aus, die sie weniger Kohlenhydrate pro 100g enthält.
Wie sieht eine Ernährung mit niedrigem glykämischen Index aus?
Es gibt einige Informationen dazu, wie eine solche Ernährung aussehen kann. Beispiele sind die Logi-Methode oder die Glyx-Diät (Glyx ist kurz für Glykämischer Index). Beide achten auf einen recht niedrigen glykämischen Index der Nahrungsmittel.
Allgemein bin ich kein großer Freund von Diäten, die angeblich allen Menschen helfen sollen. Es kommt immer im Einzelfall auf die Verträglichkeit und die Symptome an. Ein kleines Beispiel aus eigener Erfahrung: Ich selbst hatte nie Probleme mit einer Verschlechterung der Akne, wenn ich weißen Reis oder Kartoffeln gegessen habe. Beide haben aber einen recht hohen glykämischen Index und sollte mit einer solchen Ernährungsmethode eigentlich vermieden werden. Im Endeffekt müssen wir alle selbst prüfen, welche Lebensmittel sich negativ auf unser Hautbild auswirken und welche nicht.
Grundsätzlich würde ich sagen, dass stark verarbeitete Nahrungsmittel bei Akne eher vermieden werden sollten. Dazu zählen Weißmehlprodukte, Süßigkeiten oder Fast Food. Diese Produkte haben oft eine hohe glykämische Last. Früchte, Gemüse, möglichst unverarbeitete Kohlenhydrate, Fleisch oder Fisch sind hingegen gut geeignet. Milch kann sich oft negativ auf die Akne auswirken, weshalb auch hier probieren über studieren gilt.
Auf eine passende Ernährung bei Akne bin ich auch in meinem Buch Akne Natürlich Heilen näher eingegangen.
Warum könnten Glykämischer Index bzw. Glykämische Last mit Akne zusammenhängen?
Im allgemeinen Artikel zu Akne und Ernährung bin ich bereits auf IGF-1 eingegangen. Der Anstieg an IGF-1 im Blut hängt unter anderem von der Ernährung ab und eine Ernährung mit hoher glykämischer Last oder einem hohen glykämischen Index lässt IGF-1 stärker ansteigen. IGF-1 ist zwar wichtig für das Wachstum, allerdings sollte es nicht zu allzu starken Anstiegen kommen.
IGF-1 wird mit einer Reihe von Erkrankungen in Verbindung gebracht, unter anderem Diabetes, Krebs oder auch Alterung (keine Krankheit). Aber auch Akne wird mit IGF-1 in Verbindung gebracht. Je höher der Anstieg an IGF-1, desto höher ist die Wahrscheinlichkeit für Akne. Dies ist ein möglicher Grund dafür, warum Milch mit Akne in Verbindung gebracht wird.
Hinzu kommt, dass Nahrungsmittel mit hohem glykämischen Index oftmals – nicht unbedingt immer – ziemlich nährstoffarm sind. Das trifft vor allem auf stark verarbeitete Lebensmittel mit hohem Weißmehl- oder Zuckergehalt zu. Viele Nährstoffe sind aber sehr wichtig für eine reine Haut, wie beispielsweise Zink oder Vitamin A.
Aus den beiden oben genannten Gründen liegt es nahe, dass eine angepasste Ernährung mit niedriger glykämischer Last auch das Hautbild und die Akne verbessern könnten. Wir müssen uns aber nicht auf reine Theorie verlassen. Die Verbindung zwischen glykämischer Last und Akne wurde bereits in einigen Studien untersucht.
Studien zu Akne und Glykämischer Index
Die Studienlage bezüglich Akne und dem glykämischen Index ist gemischt. Es gibt beispielsweise zwei Studien aus Pakistan, bei denen eine hochglykämische Ernährung mit mehr Akne assoziiert war als eine Ernährung mit niedrigem glykämischen Index bzw. niedriger glykämischer Last (Studie 1, Studie 2).
Auf der anderen Seite gibt es auch Studien, in denen kein signifikanter Unterschied zwischen einer hochglykämischen bzw. niedrigglykämischen Ernährung in Bezug auf Akne festgestellt wurde (Studie 3, Studie 4).
Man kann diese unterschiedlichen Ergebnisse auf mehrere Arten deuten. Nicht jede Ernährung mit einem niedrigen oder einem hohen glykämischen Index ist ja gleich. Es gibt auch innerhalb dieser Varianten große Unterschiede. Vielleicht wurden in den beiden Studien, in denen sich das Hautbild im Schnitt verbessert hat, einfach einige unverträgliche Nahrungsmittel weggelassen, die eher zufällig auch einen hohen glykämischen Index hatten. Es muss also nicht am Anstieg des Blutzuckers liegen, sondern eher an anderen Faktoren (beispielsweise geringe Nährstoffdichte oder schlechtere Verdauung).
Als Fazit würde ich in Bezug auf Pickel und Akne sagen, dass es sich immer lohnt, stark verarbeitete Lebensmittel wie Fast Food, Süßigkeiten oder Backwaren aus Weißmehl einzuschränken oder ganz wegzulassen. Ob darüber hinaus auch andere Lebensmittel mit einem eher hohen glykämischen Index (beispielsweise Kartoffeln) einen negativen Effekt auf Pickel haben, bezweifle ich eher. Das müssen alle Betroffenen für sich selbst herausfinden.
1 Gedanke zu „Hängen Akne und der glykämische Index der Nahrung zusammen?“